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Helena Helena ist weiblich
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Dabei seit: 07 Sep, 2016
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Ein bisschen Theorie Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       IP Information Zum Anfang der Seite springen

Analyse Cranachkleider

Mitschriften aus den Bigazzi-Workshops: (Achtung die links sind teilweise nicht mehr da, ich muss sie erstmal aufspüren.

Renaissance Frauen:

Neu in der Renaissancemode war das Streben nach Harmonie. Spiegelparallele Formen und Muster, einfach und symmetrisch prägten anfangs die Mode. Bereits zu Beginn des 16. Jh. bildeten sich in der Damenmode große Unterschiede zwischen Italien auf der einen Seite und Deutschland und England auf der anderen Seite heraus. In Italien wurden die weiblichen Formen betont, das Dekolleté rutschte bereits am Beginn des 16. Jh. tiefer und gab den Blick auf die Chemise frei. Diese wurde deshalb reich bestickt oder mit Perlen besetzt. die Brüste wurden nach oben geschnürt. Bilder von Lucrezia Borgia und Isabella d'Este sind hier schöne Beispiele. Diese Mode war jedoch weder in Deutschland noch in England zu dieser Zeit zu finden. Bis in die 1530er Jahre hing man hier noch dem Schönheitsideal der Gotik an: schmale Schultern und ein flacher Busen. Ein schönes Beispiel hierfür ist dieses Portrait von Jane Seymour.



Die Bedeutung, die der Kleidung beigemessen wurde, belegt zum Beispiel eine Abrechnung des Schneiders der Eleonore von Toledo. Dieser bezog das gleiche Gehalt wie der Hofmaler - damals eine angesehene Stellung. Kleidung sollte sowohl den Wohlstand als auch die Zugehörigkeit symbolisieren. So ist ein Schriftwechsel zwischen Isabelle d'Este und Lucretia Borgia belegt, in dem die beiden Damen sich im Vorfeld einer Festlichkeit bezüglich ihrer Garderobe abstimmten. Man wollte mit gemeinsamen Merkmalen die Verbundenheit der beiden Höfe demonstrieren

In der Damenmode wurden kostbare Stoffe verwendet, aber auch wertvolle Stickereien. Wie bei unserem Tudorkleid zu sehen, waren die Unterärmel abnehmbar. Der Grund dafür war, dass diese durch die Stickereien so außerordentlich wertvoll waren, dass sie in der Schatzkammer aufbewahrt und nur zu den jeweiligen Anlässen herausgeholt und angenestelt wurden. Allerdings wird auch in der Damenmode vermutet, dass es einige der Bilder, die auf Gemälden zu sehen sind, in der Realität gar nicht gegeben hat.
Renaissance Männer

Interessanterweise war die Männermode im 16. Jh weitaus formenreicher und schnelleren Wechseln unterworfen als die der Damen. Teilweise im Abstand von 10 Jahren veränderte sich der Look. Allerdings zieht sich die Anlehnung an Militärformen durch. Man befand sich stetig in kriegerischen Auseinandersetzungen und so drangen die Formen von Rüstung und Landsknechtsmode auch in den zivilen Bereich ein. Ein Beispiel hierfür ist die neue Form des Wamses: tailliert und mit Längsborten versehen sollte es den Brustpanzer der Rüstung nachahmen.


Im Gegensatz zur Gotik, die für Männer eng anliegende Kleidung bevorzugte, wurden die Gewänder nun voluminös, man verwendete viel Stoff, der das Gewand bei Bewegung schwingen ließ.

Die Schecke, die aus der Gotik übernommen wurde, veränderte ihre Form mehrmals. Zum Ende des 15. Jh. wurde der Ausschnitt tiefer und auch die Männer gaben den Blick auf das darunterliegende Hemd frei, wie dieses Bildnis von Lorenzo il Magnifico zeigt.


Damit ergab sich die Möglichkeit, auch dieses reich zu schmücken. Außerdem wurde aus der in der Gotik immer kürzer gewordenen Schecke jetzt ein teilweise knielanges Kleidungsstück, das praktisch viergeteilt war: Gerades und ausgeschnittenes Oberteil, rechter und linker Ärmel und Unterteil, das einem knielangen Rock ähnelte. Bereits zwischen 1520 und 1530 verschwindet das Dekolleté allerdings wieder und die Schecke ist hochgeschlossen. Vom Hemd ist nur der Kragen zu sehen, der aber gerade deshalb aufwändig bestickt wird.

Eine weitere Anlehnung an die Rüstung war der Koller; wurde dieses Kleidungsstück früher unter der Rüstung getragen, um ein Scheuern zu verhindern, trug man es nun als Oberbekleidung. Während die ursprüngliche Variante aus Leder war, wurde nun Stoff verwendet und auch dieser wie alle anderen Kleidungsstücke geschlitzt und bestickt.

Neu war die Schaube, ein weiter oft mit Pelz verbrämter Mantel, der der Figurein quadratisches Aussehen gab, hier bei Karl V sehr schön zu sehen. Interessant an diesem Bild ist auch die Herstellung der Hose, die eigentlich aus drei Hosen bestand:

- ganz unten eine enge Hose aus Leinen, die allerdings kein richtiges Vorderteil besaß. Sie bestand aus einem Teil, der das Gesäß bedeckte und das mit Bändern, die vorne gekreuzt wurden und einem Bund gehalten wurde. Die Hosenbeine aller drei Lagen (Unterhose, Futterhose und Oberstoff) sind nur an diesem Teil befestigt. Der Koller musste deshalb lang genug sein, um die nackte Haus zuverdecken. Um peinliche Verwirrungen zu vermeiden und die Damen nicht unnötig zu echauffieren, wurden die edlen Teile durch die Schamkapsel verdeckt.

- Die Futterhose ist etwas weiter als die Unterhose.

- Die Oberhose besteht aus aneinandergesetzten Längsstreifen, die an Querstreifen befestigt sind.



Besondersbeliebt wurden in der Renaissance Embleme, die teilweise mit einem Motto versehen waren. Verschiedene Formen hatten eine bestimmte Bedeutung, die auf die Einstellung des Trägers hinwies. Man demonstrierte mit dem Tragen dieser Embleme (z.B. am Barett) seine Bildung, indem man bewies, dass man ihre Bedeutung kannte. Mit der Besonderheit der eigenen Kleidung wollte man sich von anderen abheben. Tatsächlich beklagt Baldassare Castiglione in seinem Buch "Il Cortigiano" (der Hofmann), dass im Gegensatz zum Ideal des sich in die Gemeinschaft einfügenden Edelmannes die Kleidung immer aufwändiger und individueller würde. Die Einflüsse aus dem Ausland würden immer mehr zunehmen und es gäbe keine typisch italienische Mode mehr.

Ein Beispiel für ein außergewöhnliches Kleidungsstück ist auch das Verlobungsportrait Heinrichs des Frommen. Dieses Gewand wurde aus zwei Lagen Stoff gearbeitet. Der Unterstoff ist gelb, der Oberstoff rot. Der Flammeneffekt wurde erreicht, indem in den Oberstoffs-förmige Schlitze geschnitten wurden, dann wurden die entstehenden Streifen in sich verdreht und mit Heftstichen arretiert. Dadurch ist das darunterliegende Futter zu sehen. Für die Querbalken wurden ebenfalls Schlitze eingefügt und der Stoff inkl. Futter nach außen gerollt. (Es müssen also wohl 2 Lagen Gelb gewesen sein). Außerdem wurden in Ellbogenhöhe Glöckchen in Form eines Granatapfels angenäht, die Glück und Wohlstand symbolisieren sollten.

Auf den Cranachgemälden ist oft kein aufwändig gestalteter Schmuck zu sehen, sondern nur die groben Spanketten. Tatsächlich dienten diese auch nur der Zurschaustellung von Reichtum. Bei Bedarf konnte ein Glied herausgetrennt und als Zahlungsmittel verwendet werden.

Einen auffälligen Unterschied zur Damenmode stellt die Stoffwahl dar. Während Damen oft gemusterte Stoffe trugen, wurden Männergewänder aus einfarbigen Stoffen hergestellt, aber aufwändig bestickt. Ein schönes Beispiel ist dieses Gewand von Franz I von Frankreich. Hier wurden alle Elemente vor dem Zusammenfügen bestickt. Schön zu sehen ist hier auch das Ideal des "Kriegers". Die breiten Schulterpassen wurden von der Rüstung übernommen. Die Schultern sind überbreit, die Ärmel voluminös. Dies alles sollte die Gestalt wuchtig erscheinen lassen und körperliche Präsenz vermitteln.

Es wurde teilweise sogar die spitze Form der Rüstung am Bauch, die eigentlich zum Ableiten der Stiche/Hiebe mit dem Schwert gedacht war, übernommen.

Hier noch eine Anmerkung zu Bildnis und Realität: Die Gemälde waren nicht dazu da, die Realität abzubilden, sondern ein bestimmtes - vom Dargestellten gewolltes - Bild zu vermitteln. Es wurden Ideale dargestellt. So wird beispielsweise vermutet, dass etliche der dargestellten Gewänder gar nicht existierten. Viele ließen sich beispielsweise in schwarz malen, weil diese Farbe sehr teuer war und sie sich nicht viele leisten konnten. Ob die Gewänder in Wahrheit nicht bunt waren, lässt sich heute nicht mehr ermitteln.

Und das 18. JH in PDFs

Männer

Frauen

_______________
Klitzekleine Kleinigkeiten

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07 May, 2019 12:50 40 Helena ist offline Email an Helena senden Beiträge von Helena suchen Nehmen Sie Helena in Ihre Freundesliste auf
 
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